Sibys-Notizblog
  • Home
  • Menü Menü

Sibys Notizblog

Geschichten am Wegrand

Ich bin gerne unterwegs. Das beflügelt mich und meinen Geist. Ich glaube, dass es möglicherweise daran liegt, dass ich tief in mir drin eine nomadische Seele habe.

Seit ich fröhliche Rentnerin bin, habe ich endlich auch Zeit längere Fahrradtouren zu unternehmen. Manches, was mir dabei begegnet oder schon früher begegnet ist, findet sich hier.

Mein Notizblog folgt logischerweise der Chronologie der Erlebnisse – das Neuste zuerst.  Zusätzlich gibt es Kategorien, die Beiträge zusammenzufassen.
‚Wegrandgeschichten‘  heißen die Erlebnisse, die mir auf meinen Radtouren begegnen. Unter der Rubrik ‚Oder was!‘  habe ich die Geschichten zusammengefasst, die ich auf meiner ersten alleinigen Grenzlandtour erlebt habe. 2023 bin ich vom Stettiner Haff entlang der polnischen Grenze über den Oder-Neiße-Radweg nach Süden gefahren und dann durchs Erzgebirge entlang der tschechischen Grenze geradelt. 2024 folgte die Rubrik ‚Vorhang auf‘. Darunter finden sich meine Erlebnisse auf dem Eurovelo 13 Iron Curtain Trail, dem Radweg Eiserner Vorhang, dem ich auch 2025 gefolgt bin. In diesem Jahr radele ich ‚Durch Deutschland‘. Von Kiel der Ostseeküste folgend nach Fehmarn und dann wieder auf dem Eurovelo 13, meinem roten Faden, die ehemalige deutsch-deutsche Grenze entlang Richtung Süden.
Unter ‚Sieh mal an‘  finden sich kleine Bildimpressionen – eher zum Schmunzeln gedacht.

Ein Steg für mich allein

24. Mai 2023/0 Kommentare/in Oder was!

„Stecken Sie immer einen Schokoriegel für den Notfall ein. In der Gegend gibt es mehr Vogelbeobachtungsstationen als Gasthäuser.“ An den Satz des Radlers im Zug auf dem Hinweg muss ich denken, als ich vor der geschlossenen Pizzeria im kleinen polnischen Ort Widuschowa stehe. Laut meiner Wirtin, der einzige Platz, wo es Abendessen für mich gibt. Und nun? Ums Essen ist mir weniger bange. Den Schokoriegel habe ich im Gepäck. Wonach es mich mehr gelüstet, ist ein Bier. Ein Ankommens-Bier nach extra gefahrenen 20 Kilometern über sandige Waldwege, nur um direkt an der Oder zu nächtigen. Mit einer kleinen Terrasse auf der Oder. Die war es, die mich hergelockt hatte. In der Pizzeria wollte ich das Bier erstehen, um damit den Sonnenuntergang auf der Oder zu genießen.

Zurück an der Unterkunft klingele ich beherzt bei der Wirtin. Das Wort für Bier muss ich nicht nachschlagen. „Piwo“ kommt mir flüssig über die Lippen, nachdem ich ihr mit gekreuzten Armen vorm ratlos verzogenen Gesicht und dem dazu geraunten Wort Pizzeria meine Lage klargemacht habe. Und während wir noch über die Sprach-App auf ihrem Smartphone gebeugt die Lage erörtern, kommt schon ihr Mann mit dem Bier. Ich will ganz glücklich abziehen, doch nun fühlt sich die Wirtin in ihrer Ehre als Gastgeberin gefordert. Um es kurz zu machen. Am Ende sitze ich mit einem Teller voll leckerer Brote und einem kleinen Salat auf „meinem“ Steg und schaue sehr zufrieden in den Sonnenuntergang. Schau mal an, höre ich mich denken. Das hätte ich alles nicht gehabt, wenn die Pizzeria offen gewesen wäre.
So bewahrheitet sich doch mal wieder der Spruch, dass alles seine gute Seite hat. Diesmal sogar die bessere! Oder was? 🙂

P.S. Muss ich noch erwähnen, dass ein Kuckuck rief…

 

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/IMG_9930-3-scaled.jpeg 910 2560 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2023-05-24 15:18:592023-12-01 17:02:30Ein Steg für mich allein

Kuckuck ruft’s

21. Mai 2023/3 Kommentare/in Oder was!

Es sind Kuckucke in der Luft. Seit ich vorgestern am Stettiner Haff angekommen bin, ruft immer irgendwo ein Kuckuck. Seine Rufe begleiten mich auch heute auf meiner Radtour rund um Löckwitz, wo ich für drei Nächte im Haus am See untergekommen bin. Der Ruf ist so vertraut und heimelig. Mein Opa hatte eine Kuckucksuhr, die von meiner Oma in seine Werkstatt im Keller verbannt worden war. Ab und zu zog er sie dort für mich auf. Die Züge hatten Tannenzapfen am Ende und ich schaute gebannt auf das kleine Türchen, hinter dem der Kuckuck wartete. Ging es dann auf und er kam heraus und rief „Kuckuck“, strahlte ich und zählte eifrig mit. Wenn ich den Ruf jetzt höre, fühlt es sich so an, als wäre jemand Vertrautes um mich, der mir zuruft: Ich bin da. Ich pass auf.

Dabei ist der Vogel schwer zu entdecken. Auf einer rumpeligen Strecke über altes Kopfsteinpflaster, was sicherlich noch zu Gutsherrenzeiten hier verlegt wurde, ist einer ganz in meiner Nähe. Kuckuck, ruft es über mir, und weiter kuckuck, kuckuck, als würde er mich begleiten. Ich schaue hoch, was gar nicht so ungefährlich auf der Rumpelstrecke ist. Aus dem Augenwinkel meine ich, etwas fliegen zu sehen. Ob sie auch im Flug kuckucken? Dann nimmt mich der Weg ganz in Beschlag und ich muss aufpassen, dass ich im Sand neben dem alten Pflaster nicht ausrutsche.

Als ich abends im Hotel nach 70 Kilometern durch Endmoränenlandschaft, durch weite Heidewiesen und baumgesäumte Wege zufrieden in die Federn sinke, höre ich ihn wieder. „Kuckuck, kuckuck“, ruft es leise und sanft zum Fenster herein.

 

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/IMG_9775-scaled-e1684574904268.jpeg 1516 2560 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2023-05-21 08:30:402023-05-23 20:00:34Kuckuck ruft’s

Flieder zum Herrentag

18. Mai 2023/3 Kommentare/in Oder was!, Wegrandgeschichten

Ich plaudere mich durch die Gegend. Wie wunderbar, durch ein Land zu reisen, dessen Sprache ich spreche.
Es beginnt beim Gemüsehändler am Wegrand in Vogelsang. Nur zwei Äpfel und eine kleine Salatgurke könne er mir gar nicht verkaufen, meint er und legt für einen Euro noch 4 Aprikosen dazu.

Mit den Äpfeln vom Hof seiner Schwester habe sein Gemüsestand angefangen, berichtet er. Jetzt gehört er zum Ort dazu. Und wie zur Bestätigung hält ein schwerer schwarzer Landrover an. „Morgen Guido“, wird der Fahrer begrüßt.
Die Frau, die vor mir bei ihm einkaufte, treffe ich beim ‚Erbbegräbnis‘ wieder. Ein Strauß dunkellila Flieder prangt auf dem Grab, das sie gießt. Heute sei doch Herrentag. „Da ist Flieder Pflicht“, sagt sie und wässert mit dem Rest aus der Kanne noch die Nachbargräber. Sie stammt von hier und kennt alle. Die Adelsfamilie, die im als Sehenswürdigkeit in der Landkarte verzeichneten sogenannten Erbbegräbnis liegt, allerdings auch nur aus der Geschichte.
Der Vatertag heißt hier Herrentag und erinnert damit (wie ich finde) mehr an seinen Ursprung: Die Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus. Die Herren hier fahren an diesem Tag bevorzugt Pferdewagen oder Fahrrad. Viele haben am Lenker Fliedersträuße. „Früher waren mehr unterwegs“, erzählt mir einer der drei Männer aus Ahlbeck, die ich am Teufelsgraben (wo der Herr ist, ist auch der Teufel nicht weit ;-)) antreffe.

Das angebotene Schnäpschen lehne ich ab, dafür nehme ich eine Stunde später den angebotenen Kuchen einer Pferdewagen-Gruppe gerne an. Die sechsköpfige Runde hat auch die Damen dabei. Beim Kirschkuchen mit Zuckerglasur erfahre ich mehr. Sie kommen aus Grünhof und betreiben dort den namensgebenden Hof.  „Wir haben ausserdem noch Schweine, Hühner, Enten und Tauben. Alles, was sich essen lässt“, sagt die Bäuerin lachend. „Auch die Tauben?“, frage ich.  „Na klar“, kommt die prompte Antwort. Das nenne ich mal eine schmackhafte Art, dem zermürbenden Gurren ein Ende zu bereiten. Darauf gibt es auch hier eine Runde Schnäpschen.

Den ich wieder dankend ablehne und die letzten 15 km in Angriff nehme. Der Höhepunkt ist dann die Eroberung des schönsten Zimmers im Haus am See. Das wiederum verdanke ich der Plauderei mit dem Hotelpersonal. Die Kellnerin überredet den Kollegen, als er zögert, mir das letzte noch freie Zimmer mit Seeblick zu geben, weil es eigentlich immer nur an zwei Personen vergeben wird. „Sie ist doch drei Nächte hier,“ meint sie zwinkernd. Und so hab ich jetzt das schönste Zimmer des Hauses. Sag mir noch jemand, dass Norddeutsche kühl und distanziert seien. Ich bin nach diesem munter mit Einheimischen durchplauderten Tag von dem Vorurteil auf immer befreit.

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/IMG_9666-scaled-e1684581564272.jpeg 1312 2560 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2023-05-18 13:25:572023-05-24 23:41:17Flieder zum Herrentag

Wörtlich genommen

18. Mai 2023/0 Kommentare/in Sieh mal an

Das nenn ich mal ein echtes Kirchenschiff

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png 0 0 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2023-05-18 10:45:262023-05-20 14:59:28Wörtlich genommen

Na sowas

9. Mai 2023/0 Kommentare/in Sieh mal an

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png 0 0 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2023-05-09 11:57:492023-05-20 20:45:30Na sowas

Vor dem Paradies

21. Juli 2018/0 Kommentare/in Wegrandgeschichten

Ich hatte neugierig angehalten, als ich an einem großen Tor vorbei kam, neben dem ein handgearbeitetes Holzschild den Garten Eden verhieß. Ob ich wohl mal einen Blick hineinwerfen konnte? Natürlich wurde ich enttäuscht. Nichts zu machen, der Riegel war fest verschlossen und die Hecke sehr dicht. „Na klar“, dachte ich, „so ist es nun mal mit dem Paradies – verschlossen.“ Gerade wollte ich wieder aufs Rad steigen, als ein Spaziergänger mit Hund mich ansprach. „Darf ich Sie mal was fragen“, begann er und ich nickte. „Wissen Sie wie sie Gott begegnen können?“, fuhr er fort. Ich war verdattert. Der Mann hatte nichts missionarisches an sich, trug ein ausgewaschenes Polohemd und hatte eine freundliche Strassenkötermischung an der Leine, die mich anwedelte. „Indem ich mit dem Fahrrad durch den Frühling fahre“, schlug ich vor, bereit ihm eine Chance zu geben. Er bewegte den Kopf abwägend hin und her, ich lag also nicht ganz falsch. „Sie sollten Jesus kennenlernen“, meinte er darauf. Es klang so wie, ‚kommen Sie mal vorbei, wir treffen uns immer sonntags‘. Der Hund zerrte an der Leine und wollte weiter. „Wissen Sie was“, sagte der Mann. Jetzt sagt er es, dachte ich. Doch weit gefehlt. „Wenn Sie nach Hause kommen“, meinte er, „dann holen Sie sich mal die Bibel – wenn Sie eine haben – und lesen mal wieder darin. Da finden Sie Gott, das sind nämlich seine Worte.“ Sagte es, hob grüßend die Hand und schickte sich an weiterzugehen. Nicht mit mir!

„Sehen Sie wo wir gerade stehen?“ Fragte ich ihn und zeigte auf das Holzschild ‚Garten Eden‘. „Ist geschlossen“, meinte er „wegen der Sünde.“ „Schau’n Sie mal“ entfuhr es mir, „immerhin ist ein neues Schloss dran. Es scheint sich also jemand drum zu kümmern.“ Da lachte er und der Hund zog ihn weiter.

Als ich aufs Rad stieg und weiterfuhr nahm ich mir vor, wenn ich heute Abend zuhause bin, mal wieder in die Bibel zu schauen.

 

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/IMG_6820-e1684608191933.jpg 775 1632 harald.stuckmann@me.com https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png harald.stuckmann@me.com2018-07-21 18:10:242023-05-24 23:29:06Vor dem Paradies

Jäten zum Gedenken

3. Juni 2018/0 Kommentare/in Wegrandgeschichten

Ich folge gerne Hinweisen am Wegrand. ‚Buchenwald-Denkmal‘ stand da und ich stoppte. Ich war auf dem Saale-Radweg unterwegs und hatte gerade Burgk im Vogtland passiert. Hier ein Buchenwald-Denkmal? So weit weg von Weimar?
50 Meter neben der Straße befand sich eine Baumgruppe und ich radelte hin. Es war eine Gedenkstätte für 63 unbekannte KZ-Häftlinge, deren Leben hier 1945 auf einem der Todesmärsche unter unmenschlichsten Bedingungen endete. Ein Mann jätete dort Unkraut. Ob er die Anlage pflege, fragte ich ihn. „Nein, das mache ich mal so“, sagte er. Er habe die Gedenkstätte selbst erst vor ein paar Wochen beim Vorbeifahren entdeckt, bekannte der Mann. „Heute bin ich wiedergekommen und habe ein paar Blumen mitgebracht“, sagte er und wies auf einen kleinen Strauß roter Rosen, die am Fuße des Gedenksteins platziert waren. Dann senkte er wieder seinen Kopf und riss beherzt noch mehr Unkraut aus. Was für eine bemerkenswerte Geste, dachte ich, als ich den kleinen Friedhof verließ. „Danke!“ entschlüpfte es mir. Ich sagte es in die Landschaft. Es war nicht unbedingt an den Mann direkt gerichtet, eher dafür, dass es Menschen gibt, die so etwas Handfestes wie er tun.

https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/IMG_7630-scaled-e1684608523396.jpg 1158 2560 Sibylle Heyn https://sibys-notizblog.de/wp-content/uploads/2023/05/Logo-–-2-1-300x138.png Sibylle Heyn2018-06-03 13:37:302023-05-24 23:25:26Jäten zum Gedenken
Seite 2 von 212

Ich bin’s: Sibylle Heyn

Kategorien

  • Durch Deutschland (3)
  • Oder was! (6)
  • Sieh mal an (3)
  • Vorhang auf (5)
  • Wegrandgeschichten (11)

Neueste Beiträge

  • Folge dem Wasser
  • Von Fehmarn zum Grünen Band
  • Wie der Wind weht
  • Sibyllen am Himmel
  • Wieder auf dem Iron Curtain Trail

SUCHE

Search Search

Seiten

  • Datenschutzerklärung
  • Home
  • Impressum

Kategorien

  • Durch Deutschland
  • Oder was!
  • Sieh mal an
  • Vorhang auf
  • Wegrandgeschichten
Copyright © 2023: Sibylle Heyn - powered by Enfold WordPress Theme
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen